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Impulse aus dem
Baum­haus

Don’t Worry, Be Happy

11. April 2024
Clemens M Prokop

In unserer Hitliste „interessante Geschäftsmodelle“ nimmt die Smiley Company einen ehrenvollen Platz ein. Seit mehr als 50 Jahren vermarktet sie die quietschgelbe Strichzeichnung.

Wer noch zweifeln sollte, wie man damit einen Haufen Geld verdienen kann, darf uns gerne im TYE Baumhaus besuchen. Da wartet eine Schale mit Smiley-Knautschbällen auf den analogen Emotions-Einsatz im Team-Alltag, wahlweise als Wutkugel oder Stein der Weisen oder um einfach nur anderen wortlos die Botschaft auf den Tisch zu rollen: geiler Job!

Ende des letzten Jahres feierte der Smiley seinen 60. Geburtstag, das war medialer Anlass, mal wieder die beinahe tragische Geschichte seines Erfinders Harvey Ball zu erzählen, der der Welt ein Lächeln geschenkt hat – ästhetisch nicht unproblematisch, aber von Herzen! – und dabei praktisch leer ausging.

Reich wurden andere, inklusive Bobby McFerrin, der mit „Don’t Worry, Be Happy“ den Smiley dann auch noch vertonte. Es gibt ein Bild des alten Harvey Ball umgeben von seinen Schöpfungen, und er selbst sieht sowas von nicht happy aus.

Warum ich drauf komme?

„Der Smiley-Chef hat eine Midlife-Krise – und erfindet die Emojis“ titelte Spiegel online neulich, ganz ohne Zwinkersmile, und erinnert uns damit an die gewaltigen Evolutionsschritte von Harvey Balls erstem Einzeller bis hin zur heutigen Emoji-Semantik.

O-M-G, kann man da nur sagen, und man sagt es am besten mit ?. Ich mag diese Grafik sehr; manche denken da an Halloween, aber wer im Kunstunterricht aufgepasst hat oder sich für spektakuläre Raubfälle interessiert, kennt die künstlerische Vorlage: Edvard Munch hat sie geschaffen, und das ist nun auch schon 130 Jahre her.

Manchmal fühle ich mich ähnlich alt. „Du musst mehr Emojis verwenden“, ermutigen mich dann die Damen im Team. Für jemanden, der immer versucht hat, mit 26 Buchstaben und drei Umlauten auszukommen, bedeutet das eine nicht unbeträchtliche Repertoire-Erweiterung.

Ich versuche das wie eine Fremdsprache zu lernen, Wort für Wort, Redewendung für Redewendung. (Manchmal, das nur in Klammern, fühle ich mich wie Obelix beim Versuch, Ägyptisch zu sprechen.) In Simone habe ich meine bewunderte Meisterin gefunden, denn die kann ganze Romane nur mit Emojis schreiben.

Neulich war eine Welle darunter, die mir in der Bibliothek noch gar nicht aufgefallen war. Und trotzdem sofort ins Auge sprang.

?

Diese Welle kenne ich, eindeutig: Da hat jemand Die Große Welle vor Kanagawa zum Vorbild genommen, den berühmten Holzschnitt von Katsushika Hokusai – entstanden vor bald 200 Jahren. Unglaublich, wie treu das digitale Bild am Original ist. Es gibt nur einen entscheidenden Unterschied. Hokusai hat in seiner Sammlung unterschiedliche Blicke auf den Berg Fuji dargestellt. Im Druck ist er ganz klein, wie eine Schaumkrone im tosenden Tsunami, und auf dem Emoji fehlt er.

Ich liebe diese Entdeckungen! Kunst geht auch auf ein paar Pixel, und ich wünsch mir noch viel mehr davon. Einen blauen Reiter, ein niederländisches Stilleben, Picasso und Pollock, Hoppers Nighthawks vielleicht. Und natürlich David Hockneys A bigger Splash.

Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr solcher Anspielungen; ich als Anfänger kenne sie einfach noch nicht.

Wer gibt mir Nachhilfe und zaubert mir ein Smiley ins Gesicht?

Herzliche Dank schon jetzt, oder um’s mit Albrecht Dürer auszudrücken: ?

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