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Impulse aus dem
Baum­haus

Reichweite

23. April 2024
Clemens M Prokop

Es war ein ausgesprochen schöner Sommerabend in der Lieblingsstadt, und es war eine ausgesprochen beschwingte Feier: Wir sind ja nicht nur leidenschaftliche Gastgeber, muss man dazu wissen, wir lassen uns schon auch sehr gerne einladen.
Wie schön, wenn man einfach nur neugierig sein darf auf Menschen und Gespräche.

Und deshalb werde ich diesen Abend nie vergessen. Genau genommen war es ein Moment, den ich nicht aus dem Kopf bekomme.
Wir standen in einem kleinen Grüppchen zusammen, und irgendwie kamen wir auf Social Media, und das ist ein Thema, bei dem sich meine Leidenschaft aufs Zuhören beschränkt. Fiel weiter nicht auf, denn den aktiven Part übernahm gerne eine junge Unternehmerin, Erbin einer Firmengruppe und hobbymässig, das heißt ohne finanzielle Interessen, als Influencerin unterwegs.
Der Neid auf die wirklich erfolgreichen Konkurrentinnen blitzte aus ihren Augen, und der Wein hatte sie zur Ehrlichkeit verführt: „Ich hab ja nur 15.000 Follower“, klagte sie. „Manchmal frag ich mich echt, warum ich das überhaupt mache.“
Arme Frau!

Der Spötter in mir wollte schon Dankbarkeit dafür heucheln, dass sie ihre Gedanken überhaupt mit uns teilt. Wir vier Seelchen waren jetzt auch nicht so die mega Audience.


Ich musste an Joachim Kaiser denken. Ich habe ihn, die lebende Legende, als junger Kritiker noch bei der Süddeutschen erlebt: der ebenfalls legendäre Paternoster spuckte einen direkt vor seinem Büro aus, und es war immer ein Schauspiel, wenn er seine Aufsätze diktierte.


Von Kaiser hatte ich etwas Wichtiges gelernt. „Wenn ich in einer Aufführung etwas Himmlisches erlebt habe oder etwas Unterirdisches, dann muss ich das jemandem erzählen, und wenn es der Klofrau ist“, hatte er in verschiedensten Variationen immer wieder betont.

Die Klofrau hört sich natürlich alles an, solange sie ihr Trinkgeld bekommt, aber der Volksmund hat schon recht:

„Wem das Herz voll ist, dem fließt’s Maul über.“

Wer wirklich was zu sagen hat, der stellt keine Bedingungen. Wem das Herz voll ist, hat keine Wahl. Im Umkehrschluss vermute ich: Wer wählerisch ist, dem kann das Herz nicht voll sein. Aber dann ist es auch nicht relevant.

Peter Brooks berühmte Minimaldefinition von Theater passt in diesem Zusammenhang sehr gut, und sie geht so:

„Ein Mann geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht“.

Das Entscheidende sind nicht die Einschaltquoten. Sondern das Mysterium, wie sich eine unsichtbare Verbindung knüpft. Die Performance ist das eine. Aber sie ist wertlos ohne Resonanz. Und wir können nur immer wieder darauf hoffen, auf Menschen zu treffen, die sich einen Moment Zeit geben und das betrachtenswert und bedenkenswert finden, was uns selbst antreibt, was uns wichtig ist, was wir gerne teilen. Zur Kommunikation gehören immer zwei. Und der Empfänger bestimmt die Botschaft.
Sie lese in letzter Zeit mit Neugier unsere Nachrichten aus dem Baumhaus, schrieb eine Freundin und Verbündete.
Wie schön!


Denn genau dafür machen wir’s.

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